Was ist Fechten?

…Der Gegenspieler ist kein Rivale, sondern ein Spiegel, mit dessen Hilfe beide ihre Fehler korrigieren können, ein Stein, um eure Technik und euer Verhalten daran zu schleifen.” (Hakuun Yasutani Roshi)

Fechten ist einer der ältesten Zweikampf-Wettbewerbe. Ursprünglich auf das Duell zurückgehend wird das moderne Sportfechten heute nach festen Spielregeln und unter strengen Sicherheitsvorschriften ausgeübt. Ein stählerner Kopfschutz und Kevlar-verstärkte Kleidung schützen den Sportler vor Verletzungen durch die gegnerische Klinge (leider aber nicht vor gelegentlichen blauen Flecken). Je nach Waffengattung gibt es im Fechtsport mehr oder weniger komplexe Regeln, für viele Fechter ist es gerade dieses “Spielen” nach Regeln, was den Reiz des Fechtsports ausmacht. Eine saubere Taktik führt eleganter zum Ziel als reine Kraft und Schnelligkeit. Aus diesem Grund kann der Fechtsport von Kindesbeinen bis ins hohe Alter erfolgreich betrieben werden. Das Verletzungsrisiko ist beim Fechten übrigens weitaus geringer als z.B. bei den gängigen Ballsportarten, schwere Verletzungen gehören endgültig der Vergangenheit an.

Die Regeln Gefochten wird auf einer 14m langen und ca. 1,50 – 2,00m langen Bahn, der sogenannten Planche. Ein Verlassen der Bahn an deren Ende wird mit einem Straftreffer, seitliches Verlassen mit Bodenverlust bestraft. Die Planche, die aus einem Metallgewebe besteht, hat auch die Aufgabe ein Auslösen des elektrischen Treffermelders bei einem Bodentreffer zu verhindern. Treffer werden durch einen elektrischen Kontakt der Klingenspitze, beim Säbel auch der ganzen Klinge mit dem Körper des Gegners ausgelöst. Trifft einer der Fechter den anderen, leuchtet entsprechend die Lampe des Treffenden auf. Treffen beide Fechter gleichzeitig, erhalten im Degenfechten beide einen Punkt, im Florett- und Säbelfechten muss der Obmann (=Schiedsrichter) über das Treffervorrecht entscheiden – nur einer der Kontrahenten bekommt den Treffer zugeschrieben. Gefochten wird in der Regel auf 5 Treffer in den Vorrunden und Zwischenrunden, auf 15 Treffer in Direktausscheidung und Finale. Bei Mannschaftswettkämpfen addieren sich die Treffer der einzelnen Paarungen bis 45 Treffer, wobei die Mannschaft, die gerade führt, maximal 5 Treffer pro Gefecht erzielen kann, die hinten liegende Mannschaft mehr, so dass sie den Rückstand in einem einzigen Gefecht aufholen kann. Allerdings sind die einzelnen Gefechte zeitlich auf 5 Minuten begrenzt.

Das Florett ist eine Stoßwaffe. Es gilt als die eleganteste Waffe. Die Trefferanzeige erfolgt elektrisch. Ein Treffer wird angezeigt, wenn 500 Gramm Druck auf die Klingenspitze übertragen werden. Gültig sind Treffer nur dann, wenn sie auf dem Rumpf des Körpers aufkommen. Treffen sie an einer anderen Stelle, signalisiert eine weiße Lampe einen ungültigen Treffer. Bei einem Doppeltreffer hat der Obann über dasTreffervorrecht zu entscheiden, nur einer der beiden Kontrahenten bekommt einen Treffer zugesprochen.

Der Degen ist eine Stoßwaffe, wo die Trefferanzeige auch elektrisch erfolgt. Ein Treffer wird angezeigt, wenn 750 Gramm Druck auf die Klingenapitze übertragen werden. Getroffen werden darf der/die Fechter/in vom Scheitel bis zur Sohle. Die Fechtweise mit dem 770 Gramm schweren Sportgerät entspricht am ehesten der Vorstellungen vom Duellfechten früherer Jahrhunderte. Nur beim Degenfechten gibt es Doppeltreffer – wenn beide Fechter teffen, erhalten beide den Punkt. Eine Regelung über Treffervorrecht gibt es hier nicht. Dadurch ist das Degenfechten für den Laien am ehesten verständlich. Seit 1989 gibt es auch wieder den Weltmeistertitel für Damen zu gewinnen.

Der Säbel ist eine Hieb- und Stichwaffe. Die gültige Trefferfläche ist der Oberkörper bis zur Gürtellinie – es gelten also auch Treffer auf Arm und die Maske. Das Säbelfechten ist die lebendigste Kampfform mit der Waffe. Erst 1989 wurde der Elektrosäbel eingeführt. Bis dahin entschieden ein Obmann und vier Seitenrichter über die Anerkennung eines Treffers. Bei der TGD wird kein Säbelfechten betrieben.

Treffervorrecht im Florettfechten Im Gegensatz zum Degenfechten gibt es im Florett keine sogenannten Doppeltreffer. Das heißt, nur jeweils einer der Fechter kann einen Punkt machen – wenn beide Fechter treffen, hat der Obmann über das Treffervorrecht zu entscheiden. Um das Treffervorrecht zu erlangen, kann der Fechter einen Angriff starten (“Attacke”). Dazu genügt beispielsweise eine (deutliche) Bewegung nach vorne, also auf den Gegner zu oder das Berühren, besser: Schlagen der gegnerischen Klinge. Der Gegner kann seinerseits wieder in den Besitz des Treffervorrechts gelangen, indem er den Angriff pariert (“Parade”), also abwehrt und den Gegner trifft (“Riposte”). Hierzu kann er wiederum die gegnerische Klinge wegschlagen (“Eisen”). Dieser “Schlagabtausch” kann einige Male hin- und hergehen, bis schließlich ein Treffer fällt.